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Anja Janotta

Fanny und der fast perfekte Fee

Gulliver von Beltz & Gelberg   

 

Eigentlich sollte Fannys Laune großartig sein: Die lang ersehnten Sommerferien stehen vor der Tür. Doch das Mädchen kann sich nicht wirklich darüber freuen und die Wochen liegen als langweilige, ereignislose Ödnis vor ihr. Sie würde sich ja nicht beschweren, dass ihre Eltern kein Geld haben, um in den Urlaub zu fahren, aber dass ihre beste Freundin Cidem die ganze Zeit nicht da ist, wo sie doch „weltbeste Freundinnen“ sind und immer alles zusammen unternehmen, ist eine echte Katastrophe. Außerdem beginnt nach den Ferien die 5. Klasse an einer anderen, neuen Schule und Cidem würde, wie auch fast alle anderen Kinder aus der Klasse, im Gegensatz zu Fanny das Gymnasium besuchen. Auf der Gesamtschule wäre sie alleine, bis auf Kim, einem einzigen, alten Klassenkameraden. Mit ihm hatte sie sich noch nie länger unterhalten, aber eines ist klar: Sie wünscht sich ausdrücklich und besonders fest, ihn in den Sommerferien als einen guten Freund zu gewinnen, damit sie nicht ganz alleine auf die neue Schule wechseln muss. Als plötzlich kurz nach ihrem Wunsch ein lauter Schlag aus dem Wohnzimmer ertönt und Fanny einen Typ draußen vor der Balkontür sitzen sieht, der auch noch starkes Nasenbluten hat, kann sie ihren Augen kaum trauen. Dass sich dieser Kerl mit langen Haaren, Tattoos auf den Unterarmen und einem etwas zu klein geratenem T-Shirt mit Totenkopf als Jerome vorstellt und ihr erklärt ein Fee von der Feen-Vermittlung Glitter zu sein, den sie bestellt hätte, lässt Fanny kurzfristig an sich zweifeln. Denn bisher waren Feen in ihren Augen grundsätzlich weiblicher Natur sowie zarte und hübsche Wesen mit Glitzerstab. Seinen Worten zufolge ist Jerome für die kommenden drei Wochen für das Mädchen zuständig, obwohl er noch in der Umschulung und damit in der Ausbildung zum Fee ist. Fannys Plan, ihn wegzuwünschen, da sie ihm kein bisschen vertraut und er in ihren Augen ein Trottel in Rocker-Klamotten mit Stirnbeule ist, schlägt fehl, da er erst nach drei Wochen, nach Ablauf des Auftrages, gehen darf. Unterdessen plant Jerome, Fanny in der Sommer-Aktion im Jugendhaus unterzubringen, bei der auch Kim vor Ort sein soll, um die beiden Freunde werden zu lassen. So weit so gut, doch damit beginnt für Fanny ein täglicher Spießrutenlauf, denn plötzlich sieht sie sich mit viel mehr Problemen konfrontiert als anfänglich gedacht: Zum Beispiel mit dem nervigsten Mädchen der alten Klasse, Marissa. Im Gegensatz zu Fanny ist diese immer perfekt gestylt und weiß sich in Szene zu setzen, während Fanny vor Aufregung kein Wort hervorbringt und sofort Schluckauf bekommt. Und zu allem Überfluss scheint Marissa es ebenfalls auf die Freundschaft von Kim abgesehen zu haben. Hat Fanny mit dem einzigartigen Fee Jerome an ihrer Seite überhaupt noch eine Chance darauf? Eines ist auf jeden Fall klar: Fanny kann sich mit dem Fee in der Lernphase mit einer Vorliebe für komische Soaps und englische Liebesfilme auf der einen und Marissa auf der anderen Seite, sowie Kim dazwischen, in den kommenden Wochen definitiv nicht mehr über aufkeimende Langeweile und fehlende Ereignisse beschweren.

Anja Janotta gelingt mit ihrem Buch „Fanny und der fast perfekte Fee“ eine bezaubernde, außergewöhnliche Geschichte, die nach 144 Seiten viel zu schnell endet. Mit Jerome zeichnet die Autorin ein liebenswertes und urkomisches Bild von einem Fee in Ausbildung, von dem man sich wünscht, dass er auch in das eigene Leben treten möge. Auf absolut hinreißende Art und Weise hilft der Fee dem Mädchen Fanny, ihre Ängste und Komplexe, sowie den nervigen Schluckauf zu überwinden, um letztendlich selbstbestimmt und selbstsicher in das neue Schuljahr starten zu können. Ganz ehrlich, wer hätte nicht auch gerne einen Fee? Ich werde mich auf jeden Fall bei meinen Wünschen noch mehr anstrengen. Wer weiß, vielleicht erscheint mir ja auch irgendwann ein Jerome? Ich kann es jedenfalls nicht erwarten, denn vergesst nie: Alles ist möglich, solange ihr daran glaubt! Ich wünsche es euch!

Alle Rechte liegen bei der Verfasserin des Textes!

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