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Kerstin Gier

Silber – Das erste Buch der Träume

FJB Fischer Verlag

 

Der Traum eines geregelten Lebens scheint endlich zum Greifen nah, als Liv (eigentlich Olivia) und ihre jüngere Schwester Mia am Flughafen Heathrow in London landen. Liv ist sich ganz sicher: Ein richtiges Zuhause mit einem eigenen Zimmer für länger als nur ein Jahr wartet auf sie beide. Doch nur einen Augenblick später, nachdem sie selbst absurderweise beim Zoll am Flughafen des Drogenschmuggels verdächtigt wurde und ihre Mutter sie anschließend mit einem Lächeln, das das schlechte Gewissen in keiner Weise verdrängen konnte, in die Arme schließt, weiß die 15-Jährige: Es gibt wieder eine Planänderung. Dass diese männlich, glatzköpfig und der neue Freund der Mutter ist, stellt nur den Anfang der Misere und des kommenden Abenteuers dar. Mia und Liv sind sich einig: Sie hassen Planänderungen und das lassen sie alle Beteiligten auf gerissene, witzige, aber auch charmante Art und Weise spüren.

Es hätte kaum schlimmer kommen können, versichern sich die beiden Schwestern gegenseitig, als sie von der geplanten Familienzusammenführung der Mutter mit Ernest Spencer und seinen beiden Kindern, den 17-jährigen Zwillingen Grayson und Florence, erfahren. Nicht nur in der neuen Schule trifft Liv immer wieder auf Grayson und seine 3 Freunde, die einer gutaussehenden Boy-Band ähneln und auch dementsprechend angehimmelt werden. Nein, sie findet sich auch noch nachts im Schlaf mit ihm und seinen Freunden in einem völlig skurrilen Traum wieder, der aber absolut realistisch erscheint. Als Liv kurz darauf herausfindet, dass die anderen Vier denselben Traum hatten und sie sich darin tatsächlich begegnet sind und zusammen auf dem Highgate Cemetery, einem Friedhof aus der viktorianischen Epoche der Stadt, waren, steht sie vor einem Rätsel. Doch genau diese Tatsache reizt sie immer mehr, denn Liv liebt es, Rätsel zu lösen. Und woher kommt es, dass in ihren Träumen immer wieder eine grüne Tür mit Eidechsentürknauf auftaucht? Bald versteht sie, dass dies ihre eigne, individuelle Traumtüre ist. Sobald sie ihren Traum durch diese Türe verlässt, scheint alles möglich zu sein. Dann gelangt sie in einen Korridor, in dem sie unter anderem Grayson und einige seiner Freunde trifft. Jeder hat dort seine eigene, individuelle Tür. Und wer ist diese Anabel, die ihr immer wieder angeblich zufällig über den Weg läuft? Das Verrückte ist, dass jeder, dem sie in ihren Träumen begegnet, sich auch tagsüber noch daran erinnern kann. Aber das ist doch eigentlich nicht möglich, oder? Und was hecken die 4 Jungs im Geheimen aus und warum wollen sie Liv unbedingt loswerden? Liv nimmt die geheimnisvolle Spur auf und dringt immer tiefer ein in ein Gewirr aus Skurrilität, Träumen, wahren Begebenheiten und Dämonen. Dass einer der Freunde ihres zukünftigen Stiefbruders ihr immer näherkommt und sie sich von ihm magisch angezogen fühlt, macht ihr die Entscheidung, sich auf das Spiel mit dem Herrn der Schatten einzulassen, leichter. Denn es muss doch für all diese merkwürdigen Vorgänge und Ereignisse, eine logische Erklärung geben. Doch die Tatsache, dass der Gebieter der Nacht seine Drohungen wahr macht, wenn man sich nicht an die Spielregeln hält, lassen bei Liv langsam Zweifel aufkommen. Spätestens als sie letztendlich in Gefahr gerät, begreift Liv, dass es sich definitiv um kein Spiel handelt!

Kerstin Gier ist eine deutsche Autorin, die schon zahlreiche Romane und Jugend-Fantasy-Bücher veröffentlicht hat. Ihre Romane bestechen durch ihre witzige, launige und humorvolle Schreibweise, die den Leser mehr als einmal zum Schmunzeln und Lachen bringen. „Silber – Das erste Buch der Träume“ ist der erste Band der Silber-Trilogie. Nach den ersten Seiten des Buches ertappt man sich als Leser bereits mehrfach dabei, selbst zu der Familie dazuzugehören und alle Familienmitglieder live kennenlernen zu wollen. Denn Livs Mutter Anna spart nie an peinlichen und urkomischen Situationen und Lottie, das deutsche, langjährige Kindermädchen im Hause Silber könnte liebenswerter und fürsorglicher mit einem Hang zum Backen kaum sein.  Kerstin Giers Schreibstil liest sich flüssig und dadurch gelingt es ihr spielerisch, eine Atmosphäre zu schaffen, die die reale Welt und das Phantastische auf natürliche Art und Weise miteinander verknüpft. So wird dem Leser das Gefühl vermittelt, direkt als stiller Beobachter dem Geschehen im Hause Silber-Spencer beizuwohnen. Man erwischt sich dabei, sich selbst eine Traumtüre für seine Träume zu wünschen. Wie mag sie wohl aussehen? Der Wunsch und die Möglichkeit, andere Menschen im Traum in einer Art Parallelwelt zu treffen und dabei Abenteuer zu erleben, gewinnt an Stärke. Denn möchtest du nicht auch vom „Erzfeind“ geheime Schwächen enttarnen oder Vorlieben entdecken, um sie aufzudecken? Doch hier nur eine Warnung am Rande: Auf den Korridoren treibt sich eine Menge Gesindel herum – unsichtbar, als Windhauch oder in veränderter Gestalt: Alles ist möglich und nichts ist, wie es scheint. Also verriegele deine eigene Traumtüre mit einem sicheren Schloss und pass gut auf, dass sich niemand ein persönliches Stück von dir heimlich aneignet. Denn das ist die Eintrittskarte über deine Türschwelle in dein Reich der Träume und du bist jedem schutzlos ausgeliefert. Bleibe wachsam!

Durch Giers unverwechselbaren witzigen und humorvollen Schreibstil fällt es dem Leser leicht, das 432 starke Buch zu lesen.

Empfehlenswert ist das Buch ab 14 Jahren und lädt aber auch alle magiebegeisterten Leser in eine einzigartige Traumwelt ein.

Preis für das Taschenbuch: 12€

ISBN: 978-3596196739

Alle Rechte liegen bei der Verfasserin des Textes!

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