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Wigald Boning

"HERR BONING GEHT BADEN"

Gräfe und Unzer Verlag

 

 

Schuld war eigentlich nur die Kalkschulter. Um einer Operation zu entgehen, entschließt sich Wigald Boning, dem Gelenk eine Chance zu geben. Denn in seiner Erinnerung hatte er schon einmal vor längerer Zeit festgestellt, dass kaltes Wasser und die damit verbundene Bewegung gute Wirkung zeigten. Und so erwärmt er sich langsam für seine spontane Idee, legt Regeln fest und blickt zunächst etwas skeptisch auf das geplante Unterfangen: Jeden Tag zu schwimmen und möglicherweise daraus einen Streak werden zu lassen. Stellt sich letztendlich nur die Frage, wie dies im Winter gehandhabt werden soll. Doch bis dahin wird noch viel Wasser die Isar herabfließen und so beginnt Herr Boning sein Vorhaben. Natürlich startet er die Herausforderung in seiner liebsten Badewanne vor der Haustür, dem Ammersee. Seine Anlaufstelle in der Herrschinger Badebucht ist der liegende Löwe am Ufer, besser gesagt der Tigerlöwe. Von hier steigt der Wahl-Herrschinger täglich waagemutig ins Wasser und lässt sich weder vom Wettergott noch von üblichen Tages-Schwimmzeiten beeinflussen oder gar abhalten. Bojen, Boote, sowie deren klangvolle Namen und im Wasser liegender Müll sind ihm nach kurzer Zeit vertraut und feste Wegpunkte auf seiner Strecke. Mit der Zeit wird Herr Boning immer routinierter. Hervorstechende, grelle Badeaccessoires und nützliche Begleitutensilien werden zu seinem Markenzeichen. Auch wenn er sich auf Reisen befindet, um seiner Arbeit in verschiedenen Städten und Ländern nachzugehen, sucht er sich täglich das passende Gewässer und freundet sich immer mehr mit dem meist kühleren Nass an. Erstaunt stellt er fest, dass die täglichen Schwimmtouren nicht nur dem geschundenen Gelenk gefallen, sondern auch ihm eine gewisse Befriedigung und innere Ruhe verschaffen. Dass er auch interessante Gewässer kennenlernt, die er vorher nie betreten hätte, weckt seinen Ehrgeiz und lässt ihn mutig in dubiose Pfützen, Seen oder Flüsse steigen. Munter paddelt sich Herr Boning in Omabrust täglich durch das nasse Element, bis er sich tatsächlich eingestehen muss, dass die typische Jahreszeit zum Baden in der freien Natur vergangen zu sein scheint. Ein langer Winter steht vor der Tür. Aber Herr Boning wäre nicht derselbe, wenn er nicht auch dafür eine adäquate Lösung parat hätte.

„Herr Boning geht baden“ ist ein amüsantes, kurzweiliges, aber auch zum Nachdenken anregendes Buch, das durch den geistreichen, gewitzten Sprachstil besticht. Neben den meist erheiternden Begebenheiten aus dem Familienleben des Komikers sowie lustigen Episoden aus dem Fernsehbereich, gibt der Autor nebenbei auch viele interessante Informationen preis. Diese resultieren aus den verschiedenen Erlebnissen während des Schwimm-Streaks und lassen den Leser Zusammenhänge und weitere Gedankengänge zu zahlreichen, unterschiedlichen, teilweise intimen Themen nachvollziehen. Dies erzeugt den Eindruck, sowohl tiefen Einblick in das Leben des deutschen Komikers zu haben, als auch eng mit diesem verbunden zu sein. Generell weckt das Buch Lust, sich selbst auszuprobieren, über eigene Grenzen zu gehen und es dem Autor gleichzutun.

Allein die fehlenden Accessoires lassen mich zögern, nur das ist der Grund.

Alle Rechte liegen bei der Verfasserin des Textes!

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