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3) Ein Tiger zieht ein!

Tadaa, heute ist es endlich soweit! Heute zieht unser Vierbeiner zu uns. Nun ja, etwas nervös bin ich schon. Eigentlich habe ich überhaupt keinen Plan von Katzen, Verzeihung Katern. Was tue ich denn, wenn er nicht folgt und nicht das macht, was ich möchte? Bei Hunden weiß ich das, aber hier bin ich absolut blank. Genau wie meine Nerven übrigens. Am Wochenende waren wir schon in einem großen Tiergeschäft und haben alle möglichen Dinge ausgesucht, keine Ahnung, ob das alles notwendig ist, aber ich fand dieses Katzenbett zum Beispiel schon stylisch. Allerdings musste die Verkäuferin kurz kichern, als ich es auf das Band an der Kasse legte. Was ist schon gegen ein mega-fluffiges Bett einzuwenden? Jeder möchte es doch kuschlig und bequem haben, oder? Zugegebenermaßen ist es etwas groß, vielleicht hätte tatsächliche ein richtiger Tiger darin Platz, aber Schwamm drüber, besser als zu klein, nicht wahr? Knickrig möchte ich auch nicht rüberkommen (vielleicht gibt das Pluspunkte beim Tiger?), gerade wenn so ein neues Familienmitglied einzieht. Bei den Babys sucht man doch auch immer das Beste und Schönste aus! Wieso sollte es da bei dem Haustier anders sein? Nee, da habe ich mich gar nicht beirren lassen, auch wenn mein Mann nicht ganz so begeistert aus der Wäsche guckte, könnte aber vielleicht auch am Preis gelegen haben. Nun ja, wie dem auch sei. Wir sind auf alles vorbereitet! Eine große Auswahl an Futter haben wir auch noch zusammengestellt, wer weiß, was ihm schmeckt, nicht, dass er hungern muss. Die Tierärztin sagte schon im Vorfeld, dass das arme Tier völlig abgemagert sei und gut gefüttert werden müsse. Ist doch klar, dass ich dem Rat einer Ärztin folge! Am Ende kann er sonst gar nicht anders und verbeißt sich vor lauter Hunger in meinen Wandeln…Puh, allein bei diesem Gedanken verfalle ich schon wieder in Schnappatmung! Völlig klar, dass auch ein bisschen Spielzeug hermusste, nicht dass ihm langweilig wird und er sich doch auf meine Finger, Zehen, Oberschenkel stürzen möchte – ja, mein Trauma lässt schon wieder grüßen… Ihr seht, wie tief es sitzt! Zu guter Letzt packte ich auch im Tiergeschäft unseres Vertrauens, bei dem wir jetzt selbstverständlich die goldene Kundenkarte besitzen, noch ein, zwei Pflegeartikel ein, aber hey, das ist doch selbstverständlich bei so einem Tier, das bisher nur auf der Straße lebte. Die Tierfachverkäuferin meinte zwar, dass das nicht nötig sei, aber als ich sie und ihr Fell, pardon, ich meine Haare, betrachtete, war ihre Aussage für mich hinfällig, wenn ihr wisst, was ich meine.

So, nun bin ich vor Ort und gleich wird also der kleine weiße Tiger, ach nein Kater, zu uns ziehen, ich kann es gar nicht glauben. Ah, da kommt die Tierarzthelferin mit der fertig beladenen Transportbox schon. Sie drückt mir diese in die Hand, spricht noch ein paar aufmunternde Worte, ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, um was es geht, denn wie paralysiert starre ich erst auf die Box, dann in die Box. BLICKKONTAKT! Meine Panik, die gerade eben wieder aufkeimt, wird zunichte gemacht. Liebe Äuglein blicken mir ängstlich entgegen. Auch der Kater weiß nicht, wo die Reise genau hingeht. Wie es scheint, ich auch nicht, denn planlos laufe ich aus der Praxis raus, bis ich mich irgendwann frage, wo mein Auto steht. Ups, ich bin die ganze Zeit in die falsche Richtung gelaufen, denn vor lauter Aufregung habe ich den Kater zu gelabert. Leider antwortet er mir nicht. Ganz ehrlich, ich hätte es auch als beruhigend empfunden, wenn er mir irgendein Zeichen gegebenen hätte, daran müssen wir dringend noch arbeiten. Ich stelle mir das so in der Art vor: Ich sage zu ihm „Alles wird gut, du wirst es schön bei uns haben“ Er: „Miau!“ Wenn wir daheim angekommen sind, zeige ich dir alles und dann kannst du dich ausruhen und schlafen!“ Er wieder: „Miau!“ Ich daraufhin: „Du wirst mir doch niemals deine Krallen in die Finger, Zehen und Oberschenkel rammen, oder?“ Er wiederum: „Miau miau!“ Ich abschließend: „Ich bin froh, dass wir uns so gut unterhalten und verstehen, da bin ich gleich gar nicht mehr nervös!“ Er: „Miau!“ (Damit es nun auch wirklich alle verstehen: 1x Miau heißt ja, 2x Miau heißt nein!) Auf diese Art wäre meine Welt gleich viel entspannter, aber gut, so wird es schon auch gehen. Zumindest habe ich in der Zwischenzeit mein Auto wiedergefunden. Fix und fertig und schweißgebadet setze ich mich, es kann losgehen. Wo ist das Tier? Du meine Güte, die Box steht noch auf dem Autodach, wie peinlich. Schnell schnalle ich mich wieder ab, springe aus dem Auto, kralle mir die Box, wiesle auf die Beifahrerseite und stelle sie aufatmend am Boden vor dem Sitz ab. Erleichtert richte ich mich auf. Nicht auszumalen, wenn ich losgefahren wäre. Ein Fall für den Tierschutz oder schlimmer. Ich ermahne mich, nun konzentrierter zu sein und starte mit wohlbehaltenem Katertier den Weg ins Neue, Unbekannte… Obwohl stimmt nicht ganz, ich weiß ja zumindest die Adresse im Gegensatz zu unserem Neuzugang. Zügig mache ich mich auf den Heimweg, nicht dass dem Katerchen schlecht wird… Auf das Radio verzichte ich lieber, da erzähle ich dem Tier lieber die wichtigsten Dinge zu unserer Familie und umreiße die Eckdaten. Er muss doch schließlich wissen, wer und was ihn erwartet. Kurz vor dem Ziel fängt er auch noch an, heftig mit den Krallen die Stäbe an der Transportbox zu bearbeiten. Als ich diese langen, gebogenen, spitzen, scharfen Mordwerkzeuge sehe, läuft unmittelbar vor meinem inneren Auge ein Film ab, ein blutiger Film… Ich weiß es ganz genau: Ich stürze soeben mit einem ungeheuer gefährlichen Tiger ins Verderben, pardon Zuhause. Vor Verzweiflung fahre ich fast an unserem Haus vorbei. Im letzten Moment reiße ich das Steuer herum, zwei Mütter mit Kinderwägen werfen mir böse Blicke zu, da ich sie um Haaresbreite verfehle, bringe das Auto zum Stehen und ergebe mich in mein Schicksal. „Auf in den Kampf“, ermutige ich mich selber und betrete mit dem Katerchen das Haus. „Oder lieber nicht!“, werfe ich ängstlich und mit angehaltenem Atem hinterher und blicke schaudernd auf die Pfote, deren äußerst spitze Krallen immer noch emsig an den Stäben der Box arbeiten… Das sieht nicht gut aus!

(©Helen Herrmannsdörfer)


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